Gerhard Gundermann – Der singende Baggerfahrer

Er war der wohl bemerkenswerteste unter den vielen charismatischen Liedermachern, die die deutsche Popmusik-Geschichte vorzuweisen hat: Gerhard Gundermann. Der Rockmusiker feierte zu Lebzeiten mit seinen Liedern große Erfolge, den Kontakt zum einfachen Volk, aus deren Herzen er sang, verlor er dabei dennoch nicht. Gundermann arbeitete trotz seiner Erfolge weiter beim Kohlebergbau, weshalb er als „singender Baggerfahrer“ in die Geschichte eingegangen ist.

Gundermanns Musik war eingängig und politisch zugleich. Er prangerte die sozialpolitischen Verhältnisse in der DDR an, in der er lebte, weshalb er schnell zum Sprachrohr einer ganzen Generation wurde. Sein politisches Engagement abseits der Musikbühne ist jedoch bis heute umstritten. Dass er als Musiker engagiert und kritisch war, hinderte ihn nicht daran, der SED beizutreten. Dieser Makel klebt bis heute am Image des „singenden Baggerfahrers“, dessen Musik in unseren Köpfen jedoch noch immer präsent ist. Was auch und vor allem an dem Umstand deutlich wird, dass sein Leben 2018 erfolgreich verfilmt wurde.

Wechselhaftes Lebens eines bemerkenswerten Musikers

Gerhard Rüdiger Gundermann wurde 1955 in Weimar geboren. Nach dem Abitur sammelte er ausgerechnet in einer Offiziersschule erste Erfahrungen als Musiker, wo er einem Singeklub beitrat. Aufgrund aufmüpfigen Verhaltens wurde er von der Ausbildung zum Politoffizier der Nationalen Volksarmee ausgeschlossen. Danach heuerte er als Arbeiter im Tagebau im Spreetal an. Zur gleichen Zeit forcierte Gundermann seine Gesangskarriere. Mit dem Singeklub „Brigade Feuerstein“ sorgte er in der DDR für zunehmende Aufmerksamkeit. Auch seine Frau Conny war Mitglied der Truppe. Die beiden heirateten 1983. Ab Mitte der 1980er-Jahre absolvierte Gundermann immer mehr Soloauftritte, bis 1988 seine erste LP, „Männer, Frauen und Maschinen“, erschien.

Nach der Wende konnte Gundermann im vereinten Deutschland an seinen Erfolg in der DDR anknüpfen. Er veröffentlichte weitere Platten, die er meistens mit der Rockband Seilschaft einspielte, darunter „Der 7te Samurai“, „Frühstück für immer“ und „Engel über dem Revier“. Sang er in der DDR von Themen aus dem Leben und den Sorgen des einfachen Mannes, blickte er nun kritisch und analytisch zugleich auf die Wende und ihre Folgen. Mitte der 1990er-Jahre geriet Gundermann wegen seiner politischen Vergangenheit in die Schlagzeilen. Es wurde bekannt, dass er als Informant mit dem Decknamen Grigori für die Stasi spioniert hatte.

Als die Wahrheit ans Licht kam

Tatsächlich ist Gundermanns Rolle in der ehemaligen DDR als zwiespältig einzustufen. Einerseits weckte sein aufmüpfiges Verhalten immer wieder den Unmut der SED-Politiker, andererseits stellte er seine Dienste dem Regime zur Verfügung. Der Musiker war gleichsam ein bespitzelter Spitzel. In einem blieb sich Gundermann jedoch treu: Trotz seiner Erfolge als Musiker arbeitete er bis zuletzt als Baggerfahrer im Kohlebergbau. Auch auf der Bühne gab er sich bodenständig, wo man ihn immer wieder mit Hemd und Jeans auftreten sah, die Schuhe blankgeputzt. Gundermann wollte nicht nur mit Kunst Geld verdienen, sondern mit einfacher Arbeit. Das war sein Motto bis zum Lebensende.

Im Jahr 1998 starb er im Spreetal an den Folgen eines Schlaganfalls. Er hinterließ seine Frau Conny und vier Kinder. Zu erneuter Popularität verhalf ihm zwanzig Jahre später der Filmemacher Andreas Dresen, der das wechselhafte Leben des „singenden Baggerfahrers“ mit der preisgekrönten Filmbiographie „Gundermann“ verfilmte.