Was sind Bänkel- und Küchenlieder?

Heute gibt es überall Musik. Aus dem Radio, von CDs, manchmal noch Schallplatten, vom USB-Stick, gestreamt oder auf dem Smart- oder iPhone gespeichert. Lautsprecher gibt es in bald jedem Supermarkt und Einkaufszentrum sowieso. Gehen wir ins Restaurant, in eine Bar oder ein Café, hören wir von irgendwoher Musik, mehr oder weniger dezent. In den Discos gehört sie sowieso dazu. Und für jeden Musikgeschmack ist etwas dabei.

Aber nur solange, wie elektrischer Strom zur Verfügung steht.

Musik war schon früher Unterhaltung

In den Kirchen gibt es seit jeher Musik. Da aber in früheren Zeiten in den Kirchen Latein gesprochen – und auch gesungen – wurde, war das gemeine Volk außen vor, wenn es ums Singen ging. Im Mittelalter gab es die fahrenden Sänger, die von Ort zu Ort und Schloss zu Schloss reisten und sich ihren Lebensunterhalt damit verdienten, dass sie Lieder sangen und auch die eine oder andere Nachricht verbreiteten. Sie waren meist gern gesehen und gehört. Sie begleiteten ihren Gesang mit Instrumenten, die heute teilweise nicht mehr bekannt sind oder auch von mittelalterlichen Musikgruppen nachgebaut und heute wieder gespielt werden.

Musik in Haushalten

In früheren Zeiten wurden Nachrichten nicht in der Zeitung gelesen, sondern von Mund zu Ohr weiter getragen. Damit die Geschichten auch „richtig“ erzählt wurden, nutzte man gern die Reimform oder ein Lied. So konnte man sich die Neuigkeiten besser merken und sie hatten einen Mehrwert beim Weitererzählen. Viele Menschen, die arbeiteten, konnten weder lesen noch schreiben. So waren diese Lieder die einzige Informationsquelle und neben den Märchen, die man sich erzählte, auch die einzige Form, Geschichten über andere Menschen oder auch andere Länder zu hören. Heute nutzt man Heftromane, Bücher, Hörbücher und E-Books, bis ins 20. Jahrhundert war es üblich, Geschichten singend zu erzählen. Gerade in Küchen, in denen zu diesen Zeiten viel mehr und mit mehr Personal gearbeitet wurde, als dies heute nötig ist, waren Lieder eine gte Möglichkeit, die Zeit zu vertreiben und gleichzeitig Neues zu hören. So wurden beim Bohnenschnippeln, beim Einkochen, beim Brotkneten oder gar beim Polieren des Silberbestecks gesungen, denn der Rhythmus sorgte auch dafür, dass die Arbeit besser von der Hand ging. So wie auch heute hatten die Menschen damals großes Interesse an Tratsch, Klatsch, Geschichten über besser Begüterte und natürlich Schicksalsschläge. Daraus entwickelten sich die sogenannten Küchenlieder.

Bänkelgesang

Das Wort Bänkelgesang oder Bänkellied ist aus dem Wort „Bank“ entstanden. Auch hier handelt es sich um fahrendes Volk, das Lieder nicht nur vortrug, sondern die darin enthaltene Geschichte auf Bildern zeigte. Um auf Märkten oder Jahrmärkten in den Menschenmengen überhaupt gesehen zu werden, stellten sich die Sänger oder Sängerinnen auf eine Bank. Je nach Ausstattung wurde dann zum Gesang auf einer Tafel auf das zur Strophe passende Bild gezeigt oder eine Bilderrolle mithilfe einer Kurbel abgespult und dem faszinierten Publikum vorgeführt.